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Legasthenie, Dyslexie auch spezielle LRS – Was ist das eigentlich?

Viele verschiedene Ausdrücke, die das gleiche meinen: eine anlagebedingte Störung der höheren Gehirnfunktionen, wodurch das Erlernen des Lesens und Schreibens trotz normaler Intelligenz langfristig erschwert wird. Neueste Studien belegen, dass eine Legasthenie in den meisten Fällen genbedingt ist, also vererbbar. Eine Legasthenie ist nicht zu verwechseln mit der LRS, die oft durch äußere Umstände hervorgerufen wird und meist gänzlich behoben werden kann.

Mehr zur LRS erfahren Sie auch hier.

„Ein legasthener Mensch, bei guter oder durchschnittlicher Intelligenz, nimmt seine Umwelt differenziert anders wahr, seine Aufmerksamkeit lässt, wenn er auf Symbole, wie Buchstaben oder Zahlen trifft, nach, da er sie durch seine differenzierten Teilleistungen anders empfindet als nicht legasthene Menschen, dadurch ergeben sich Schwierigkeiten beim Erlernen des Lesens, Schreibens oder Rechnens.“

(Pädagogische Definition von Dr. Astrid Kopp-Duller)

Symptome einer Legasthenie können sein:

  • Beim Lesen:
    • Das Lesen ist sehr unsicher, langsam, stockend, eintönig
    • Satzzeichen werden nicht beachtet
    • Wörter werden erraten statt gelesen
    • Die Silbentrennung gelingt nicht fehlerfrei oder gar nicht
    • Wortgrenzen werden nicht erkannt
    • Wörter werden ausgelassen
    • Buchstaben oder Silben, sowie Vor- und Nachsilben werden ausgelassen oder hinzugefügt
    • Ähnlich aussehende Buchstaben, (b-d, p-q, u-n, N-Z, W-M, oder ei-ie), die sich nach der Raumlage voneinander unterscheiden, werden verwechselt
    • Weitere verwechselbare Buchstaben sind: (m-n, n-r, h-k, I-l, l-i, W-H)
    • Das Sinnerfassen des Gelesenen funktioniert nicht einwandfrei
  • Rechtschreibprobleme
    • Fehler beim Abschreiben
    • Oft unlesbare Schrift
    • Fehlerhaftes Dehnen, Doppeln und Schärfen
    • Harten, weiche und ähnlich klingende Buchstaben werden verwechselt (b-p, d-t, g-k, ä-e)
    • Buchstaben, Silben oder Wörter werden ausgelassen oder hinzugefügt
    • Die Buchstabenreihenfolge wird verwechselt
    • Die Groß- und Kleinschreibung gelingt nicht
    • Probleme mit der Schreibung von s-ss-ß
    • Unsicherheit beim Schreiben von Wörtern, die mit V, F oder Ph anfangen
    • Satzzeichen und i-Pünktchen werden weggelassen
  • Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen
  • Motorik
    • Probleme bei Grob- und/oder Feinmotorik
    • Gleichgewichtsprobleme
  • Wahrnehmungsstörungen
    • Im optischen und/oder akustischen Bereich: Gedächtnis, Differenzierung (d.h. optische oder akustische Unterschiede erkennen, z.B. bei Formen, Buchstaben, Lauten), Serialität (d.h. optische oder akustische Eindrücke der Reihe nach ordnen: Welcher Laut wird zuerst gesagt? Steht ein Buchstabe vor oder nach dem anderen?)
    • Körperschema (d.h. Einschätzung des eigenen Körpers, Unterscheidung von rechts und links)
    • Raumorientierung
  • Verhaltensauffälligkeiten bzw. Störungen; psychosomatische Beschwerden
    • Minderwertigkeitsgefühle
    • Unselbständigkeit
    • Geringes Selbstvertrauen
    • Schulphobie
    • Daumenlutschen, Nägelkauen
    • Depressivität bzw. Aggressivität
    • Ess- und Schlafstörungen
    • Bettnässen
    • Clownerie
    • Kontaktschwierigkeiten
    • Kopfschmerzen, Übelkeit
    • Essstörungen
    • Bauchschmerzen

Es gibt nicht „die“ Legasthenie oder LRS, sie ist immer individuell, was es für viele so schwierig macht, sie zu erkennen. Aus diesem Grund ist von einer Gruppenförderung dringend abzuraten. Wir setzen ja auch nicht allen fehlsichtigen Menschen die gleiche Brille auf – auch hier wird individuell untersucht, um die richtige Stärke herauszufinden.

Falls ein Verdacht vorliegt, sollten Sie sich qualitative Unterstützung holen. Gerne könne Sie sich für ein unverbindliches und kostenloses Beratungsgespräch anmelden, in dem ich Ihnen Hilfe und viele Tipps geben werde.

Wenn Sie mehr über Legasthenie erfahren möchten, besuchen Sie doch einen meiner Vorträge.

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Legasthenie und Fremdsprachen

Legasthene Kinder haben beim Erlernen von Fremdsprachen oft die gleichen Schwierigkeiten wie im Deutschen, es sei denn sie haben bereits durch konsequentes, längeres Training bessere Strategien entwickelt, mit denen sie an die neue Sprache herangehen. Kinder mit auditiver Teilleistungsschwäche haben oft auch lange Zeit Probleme mit der Aussprache sowie große Schwierigkeiten mit Hörverständnisübungen.

Lehrer und Therapeuten haben bei legasthenen Kindern beim Erlernen der Fremdsprache Englisch unter anderem folgende Schwierigkeiten in Bezug auf die Rechtschreibung beobachtet:

  • Ein Wort wird auf verschiedene Weise geschrieben, z. B. cey, key, kee
  • Gleichklingende Wörter werden lange nicht mit der richtigen Bedeutung gespeichert und nicht richtig wiedergegeben, z. B. where, were, wear
  • Ähnlich klingende Laute werden verwechselt, z. B. worked für walked
  • Englische und deutsche Laut- Schriftzeichenzuordnungen werden vermischt z. B. door wird doar geschrieben
  • Buchstaben werden umgestellt, hinzugefügt oder ausgelassen,
  • Hörunsicherheiten sorgen dafür, dass Laute ersetzt werden z.B. u/o

Beim Lesen zeigen sich ein geringes Lesetempo, Worterraten, häufige Fehllesungen sowie Verständnisprobleme. Auch hier ist eine gute Förderung möglich. Je eher ein Schüler Unterstützung erhält, umso leichter wird es für ihn, sich zu verbessern. Natürlich sind die oben genannten Schwierigkeiten kein Beweis für eine Legasthenie, sondern können lediglich darauf hindeuten. Sollten Sie bei Ihrem Kind öfters mehrere dieser Probleme beobachten, sprechen Sie mit Lehrern oder anderem geschulten Personal.